Warnung: Gewalt spielt sich in dieser kleinen Fantasie ab.


Junger Mensch in einem braunen Zimmer. Zement ? Wer weiß. Sieht jedenfalls nichts sehr modern aus.

All diese Gedanken, die diesem Menschen im Kopf kreisen treiben ihn noch wahnsinnig. Oder sie ?

Niemand kennt den Namen dieser Person. Wohnt sie überhaupt in diesem braunen Zimmer ?

Es ist nicht das Erdgeschoss. Wahrscheinlich im ersten Stock. Ein Zimmer. Ein kleines Zimmer, ohne Möbel.

Das Licht scheint mit all der Mühe die es hat, um in den dunklen, dunklen Raum zu gelangen. Das morsche Holz am Fenster lässt aber nur sehr wenig auf den Boden, und auf die Decken, und auf die braunen, staubigen, sandigen Wände strahlen. Doch bei all dem wenigen Licht, das in dieses Zimmer nahezu überall, in winzigen Mengen ankommt, sitzt diese Person in der Ecke des dunkelsten Lichtes.

Sie scheint keinerlei Atmung zu tätigen. Alles was sie tut… scheint …nur zu existieren. Sie existiert einfach nur. Hat sie eigentlich je ein Nachbar aus diesem Zimmer rausgehen sehen ?

Durch den sehr engen, mit exotischen Gewächsen und Gemälden geschmückten Flur, dann die hölzerne Treppe runter, gelangt man schließlich an den kleinen, gemütlichen Markt im Inneren des Gebäudes. Die Leute schreien und prahlen mit ihren besten Angeboten, es gibt Tische, an denen Karten gespielt werden, andere finden dies aber zu einfach, und sind dabei ein Brettspiel mit schwarzen und weißen Steinen in lustiger Form zu erfinden.

Es werden köstliche Datteln verspeist, manch einer fragt aber nach mehr, immer mehr von dieser süßen Frucht, wird dann aber in Windeseile von dem lecker riechendem Lamm abgelenkt, welches gerade auf einem Stand außerhalb des Gebäudes gebraten wird. Männer bezahlen Frauen, Männer bezahlen Männer. Frauen bezahlen zwar auch, aber mehr als sie müssen. Dabei ist das Zahlen auch nur ein Tanz.

Alle Leute reden. Auf arabisch ? Mag sein.

Oder gibt es noch andere Sprachen ? Können Menschen nur arabisch sprechen ?

Die junge Person, diese ganz normale Person, fragt sich solche normalen Sachen, in diesem Zimmer, diesem ganz normalen Zimmer. Ohne Möbel.

Hat sie überhaupt mal auf einem richtigen Bett gelegen ?

Plötzlich flüstert sie: „…a?“. Das Gespräch der Menschen überdeckt ihre zarte Stimme aber sehr. Zu sehr.

Sie hört nicht mal mehr ein einziges Wort, was sie in ihrem Kopf denkt.

Frauenstimmen lachen plötzlich laut auf, es sind mehrere. Soldaten patrouilleren mit schweren Schritten über die Straßen, mit spitzen Helmen und eiserner, spitzer, laut klirrender Rüstung. Ihre Hand stets an der Waffe, die im Schacht, an ihrem Gürtel hängt. Mit rotem Gewand darunter bedeckt, ist die Rüstung nicht wirklich schützend, ein gezielter Schuss, und die übrigen Soldaten ergreifen die Flucht.

Das Mädchen in dem Zimmer steht plötzlich auf. Es denkt. Sie denkt:

„Was bin ich überhaupt?“

Unter ihr, auf dem noch immer sehr belebten Markt stirbt auf einmal ein Mann, mit dunkelrotem Kopftuch, einem freien Bierbauch, der nur seitlich durch eine Seemannsweste aus blauem, rauem, billigen Stoff mit Löchern für die Arme bedeckt ist, und einer grauen Hose und Sandalen aus ähnlich billigem Stoff. Alle Menschen um ihn hörten mit einem Schlag auf zu reden.

Im oberem Stockwerk war, wie üblich, nichts zu hören.

Oder doch? War da etwa gerade ein Kichern? Wahrscheinlich nur Einbildung.

Sie versammelten sich um den Mann, der gerade Spaß hatte, so lebensfroh war, den Moment so genossen hatte, und blickten ihm eine Weile nach. Dann, nach ein paar verständlichen Augenzwinkern und Gesten, brachten ihn drei Männer wie einen schweren Stein, der wie aus dem nichts auf den schattigen Platz gefallen war weg, und die Freude ging weiter.

Der Mann hatte nicht viele Freunde. Er war alleine auf dem Platz, und genoss die Datteln, die gute Stimmung, die vielen Menschen, das gute Essen und das gute Leben.

Und dann ein Schuss. Ein leiser Schuss. Wer weiß woher er kam. Das dachte sich auch sein Mörder.

Die Spitze der Klinge war so fein, dass keinerlei Verletzungen zu sehen waren. Der Blutverlust war nahezu kaum spürbar, allerdings hatte der Mann schon seit längerem ein kleines Stechen am Rücken. „Das ist wohl nichts“, dachte er sich, 5 Stunden bevor er starb. Da lebte er noch munter und fröhlich, als Reisender in die große Stadt.

Als er noch lebte. Da hatte der Mann nicht viele Freunde. Genau genommen nur einen. Einen einzigen.
Er wollte ihn heute besuchen, nachdem er sich etwas in der Stadt eingelebt hatte.

Sein Name war Petitio. Der Reisende schuldete ihm noch Geld.

Das Mädchen, was ihn ermordete, stand nun in diesem braunen Zimmer, und fragte sich, wann er denn nun endlich da sei. Sie öffnete das erste Mal die hölzernen, dunkelgrünen, mit viel Staub bedeckten Holzklappläden, die nach innen aufgingen. Alle anderen Klappläden in der Straße gingen nach außen auf. Und waren auch nicht dunkelgrün. Nur ihres ging nach Innen auf. Sie suchte nach ihrem Namen. Dann fand sie das Licht. Es strahlte. Es freute sich, endlich mal ihr Gesicht mit all ihrer Pracht bestrahlen zu können.

Ihr Körper war schlank und sportlich, das wunderte das Licht. Sie war doch kaum draußen?

Das Mädchen blickte sich auf der Straße um, und erblickte die drei Männer, die den Stein wegbrachten. Sie lächelte. Das widerte das Licht an. Das hätte es nicht von ihr erwartet.

Hinter dem Mädchen kam schließlich Petitio, und fragte Sie: „Hast du nicht langsam genug herumgespielt, Sica?“

Sica, noch immer verspielt, und im dunkelsten aller Lichter dieses Raumes, wandte sich langsam um.

Der Raum, mit braunen sandigen Wänden, ohne Möbel, war kühl und geheimnissvoll. So gab Sica ihm ein geheimnisvolles Lächeln, und tauschte mit Petitio, wie immer, den Platz.


Hey!

Ich wollte mal eine weitere kleine, vollkommen fantastische Geschichte erzählen. Es mögen zwar noch einige philosophische Elemente zu erkennen sein, diese waren aber nicht der Hauptgrund des Schreibens.

Wie immer gilt: Wenn ihr mehr Interpretationsansätze liefern könnt, würde ich mich sehr über einen Kommentar freuen.

Also, wünsche ich euch bis dahin noch einen wunderschönen Tag, bleibt neugierig, und…

Vielen Dank für’s Lesen!

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