Schach: Das Potenzial, die Lebenskurve

Schach: Das Potenzial, die Lebenskurve

Doch manche Bauern können durch ihr Leben hindurch etwas lernen. Manche sehen tatsächlich auch mal nach hinten, indem sie sich ihrer sinnlosen Tätigkeit, in der sie vergeblich versucht haben ihr Glück zu suchen, beschieden entledigen, und endlich etwas tun, was ihnen Spaß und Freude bereitet.

Sie werden zum Turm.

Auch wenn sie erst spät in ihrem Leben erkannt haben, dass sie ihre physischen Talente und Träume verfolgen und erreichen können.

Sie werden zum Springer.

Weil sie ihren Intellekt zur Verwendung, oder nach einem Unfall, einem lebenswendenden Ereignis, endlich zur vollen Geltung bringen konnten.

Sie werden zum Läufer.

Weil sie sich endlich entschieden haben, selbständig zu werden, anstatt sich nur in den Unternehmen der Läufer finanziell, also diagonal, bewegen zu können.

Jeder Schritt zuvor war physisch sehr belastend. Sie wuchsen auf, erfuhren womöglich viel Mobbing oder sonstige körperliche Schädigungen.

Doch jeder Schritt brachte sie weiter.

Zuletzt, und das ist sehr rar, werden sie zur Königin.

Weil sie ihr Talent zum Führen, Organisieren, und selbst kontrollierenden Einfluss entdeckt haben, die sie frohen, holden Mutes der Welt zur Verwendung offen stellen.

Sie haben alle Fähigkeiten zu einem gewissen Grad gemeistert, und haben die meiste Emotionale Arbeit hineingesteckt, um:

  • finanziell unabhängig (diagonal laufend)
  • physisch und psychisch belastbar und gesund (horizontal und vertikal laufend)
  • geistig entwickelt, und neugierig (L-förmig springend)

und, vor allen Dingen:

  • Diszipliniert und Entschlossen (Die Dame selbst)

zu sein.

In Ihrer gemeinsamen Aneinanderreihung, sehen die Figuren wie das Diagramm der Macht aus, welches sich durch jedes Leben erstreckt: Klein anfangend, bis zur Königsspitze aufsteigend, und langsam verlierend. Für manche ist es die andere Seite: Sehr langsam aufsteigend, und erst gegen Ende gewinnend. Ob man die Hoffnung dafür hatte oder nicht. Und sei es auch nur die Wahrnehmung vom Umfang her, für manche ist ein Jahr in einer solchen Fassung zu verstehen, für manche ist das der Erfolg, der sich durch das gesamte Leben zieht. Jedenfalls sollte spätestens beim König der Erfolg gefunden werden, um ihn über die Läufer, Springer und schließlich den Turm, genießen zu können.

Manche waren nun mal hochbegabt oder ähnliches. Hatten reiche Eltern, oder Eltern mit einem guten sozialen Umfeld, einer guten Einstellung zum Leben und zur Bildung.

Dann erreicht man den König zuerst. Muss dann aber den Rest des Lebens Demut und Niederlagen lernen, weshalb die Kurve gegen Ende des Lebens stetig nach unten, über die Königin, das Ansehen und der Erfolg, der lediglich ein Feld lang anhält, bis es schließlich zum wortwörtlich handelsüblichem Geschäft des Läufers wird, es durch ein paar schlaue Köpfe, erneuert wird, sodass jegliche Marktlücken geschlossen werden, und der Turm, der die eigene langsam vernachlässigte Gesundheit verkörpernd anzeigt, dann dem ganzen das Schlusslicht setzt.

Der Turm am Anfang meint immer die Geburt. Der Turm am Ende den Tod. Die Springer womöglich die Philosophie und Sozialen Kontakte, und der Läufer die Zeit, die man alleine verbringen möchte.

Die Königin symbolisiert den freien Willen, und den Platz, wo man selbst hingehört. Aber das bestimmt nicht die Königin selber. Die Königin ist nur das Werkzeug, der Inbegriff der Macht. Das Was-wäre-wenn-Szenario, wenn man so mächtig wäre, dass einem wirklich alle Türen offen stehen würden.

Der König ist wichtiger. Gar das wichtigste. Er gibt dem Spiel seinen Wert. Kann aber nichts wirklich anstellen. Von allen Figuren, bewegt er sich meist am wenigsten, wenn überhaupt. Manchmal ist es über eine ganze Partie nur die Rochade (der Tausch mit dem Turm), sodass sich der König hinter der letzten Sturmlinie: Der physischen Mauer, dem Körper, schützen kann.

Und doch kontrolliert er alle Figuren, und sogar die Spieler, die ihn berühren, und eigentlich hinschieben dürften wo immer sie wollten. Aber sie tun es nicht. Denn das sind die Regeln, die sie selbst befolgen müssen, um sich selbst einen gefallen zu tun. Sie erhoffen sich unendlichen Stolz und Reichtum, wenn sie diese Regeln befolgen. Und genau das, macht den König wahrhaftig unantastbar.

Wenn der König bedroht wird, und das Spiel vorbei ist, dann sind alle anderen laufenden Prozesse automatisch unterbrochen. Aber ein jeder dieser Prozess war ursprünglich dafür gedacht, sich dem König des Gegners anzunähern, oder den eigenen zu beschützen. Der König hat also die ganze Zeit das Scheinwerferlicht auf sich gerichtet, obwohl er ein ganzes Spiel lang nie etwas tun müsste. DAS ist wahre Macht. Der König bestimmt, wann die Spieler das Spiel spielen, und wann sie aufhören. Welche Figuren was tun müssen, damit sich ALLE auf dem Spielfeld befindlichen Figuren überhaupt weiterhin bewegen können.

Doch Macht ist nicht die einzige Symbolik des Königs.


Ich danke mal wieder.

Hier ein weiterer Wunsch für einen wunderschönen Tag eurerseits, bleiben Sie bitte neugierig, und…

Vielen Dank für’s Lesen!

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