Schach: Universum

Daher kann sich aber auch nicht an die entgegensetzende Strategie gehalten werden, in der Hoffnung, ein langes Spiel hinauszögern zu können. Eher das Gegenteil wird der Fall sein.

Denn was auch immer du tust, das Universum tut etwas dagegen. Es lässt dich bestimmte Sachen machen, viele aber nicht gänzlich ohne Konsequenzen. Oder sichtbare Konsequenzen.

Und diese Konsequenzen bedrohen deinen König mit jedem weiteren Zug. Wenn du nicht schneller bist, deine Verteidigung nicht genügend aufrecht erhältst, oder dich nicht auf die Hilfe anderer einlässt, ohne auf zuvor jedes Mal auf Verrat gepocht haben zu müssen, wirst du, der du alleine kämpfen wolltest, unweigerlich verlieren.

Aber die Dauer des Spiels ist eher entscheidend. Wer zu schnell verliert, hat offensichtlich das Leben nicht richtig verstanden, sich gar nicht erst die Mühe gemacht, und daher den Inbegriff des Titels des Verlierens als seine persönliche Hinterlassenschaft an die Existenz überwiesen.

Keine Sorge, die kann damit sowieso nichts anfangen. Sie macht sich auch kein Urteil darüber.

Es ist nur das einzige, was sie je von dir zu Gesicht bekommen wird. Selbst wenn du gewinnen würdest, wie beispielsweise eine Königin, oder ein Läufer, hättest du lediglich eine wichtige Rolle in dem Spiel „Schach“ gehabt, worauf das die Menschen, die interessiert drumherum stehend, innerlich bis zum Kotzen klugscheißend dreinblickend, eigentlich minder interessierte.

Es gibt wahrscheinlich noch tausende andere Schachpartien die sich aktuell abspielen. Wenn da eine Figur verloren geht, hat das lediglich Auswirkungen auf das restliche Spiel. Und wenn das Verloren geht, ist es immer noch für irgendeinen anderen Menschen gewonnen.

Menschen sind ganze Universen. Für ein Universum, sind die Schachfiguren ganze Lebewesen.

Und es gibt daher wahrscheinlich viele Universen. Mit all ihren eigenen Regeln. Aber einer Gemeinsamkeit in allen Spielen: Schach. In welcher Form das auch immer sein mag, und welches Nervenzentrum man ja auch gar dafür bräuchte um dies zu verstehen, oder überhaupt erst zu erkennen.

Wenn es allerdings weder gewonnen noch verloren ist – ein Patt, oder ein Remis, oder ein Unentschieden – so war das ganze Spiel entweder reine Verschwendung, was es eh ist, oder aber es lieferte die äußerst aufschlussreiche Erkenntnis, das beide Welten, die dort aufeinanderprallten, einen gleichwertigen Fehler machten, sich gleichauf in ihren Fähigkeiten als würdige Rivalen fanden, oder sich ineinander verliebten.

Oder alles gemeinsam, in der Reihenfolge.

Jeder Zug der gemacht wird, hat eine Aktion inne. Und jeder Zug, verkörpert gleichzeitig einen Sekundenschlag.

Es gibt nur eine begrenzte Anzahl Züge. Was darauf zu deuten hat, das sich die beiden Spieler, irgendwann Mal wieder an einen Tisch setzen, die Uhr, das Brett und die Figuren platzieren, und einfach so, ohne einen beträchtlichen Grund, nochmal anfangen, den ersten Stein zu ziehen.

Mal sehen, wer gewinnt.


Ich wünsche einen gewinnertragenden Tag! Bleibt neugierig, und gesund, und…

Vielen Dank für’s Lesen!

Veröffentlicht von Ventusator

Eigentlich bin ich manchmal ganz nett. Sometimes I may actually be nice.

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